Freundliche semi-flache Illustration einer neu selbstständigen Steuerberaterin im minimalistischen Büro mit Mandant und Partner, Unterlagen, Laptop, Ordnern und sicherer digitaler Ausstattung.

Selbstständig als Steuerberater: Voraussetzungen, Ablauf und Kosten der Kanzleigründung in Deutschland

Du willst raus aus der Anstellung und Deine eigene Kanzlei aufbauen? Dann brauchst Du nicht nur Fachwissen, sondern auch einen klaren Plan, der aus einer guten Idee ein tragfähiges Geschäft macht.

Zusammenfassung

  • Selbstständig als Steuerberater wirst Du in Deutschland nicht allein mit bestandener Steuerberaterprüfung, sondern erst nach der Bestellung durch die zuständige Steuerberaterkammer.
  • Der praktikable Weg in die eigene Kanzlei sieht meist so aus: Bestellung, Gründungsmodell wählen, Businessplan erstellen, Finanzierung und Absicherung klären, IT und Prozesse aufsetzen, dann Mandanten gewinnen.
  • Typische Wege in die Selbstständigkeit sind Neugründung, Kanzleiübernahme und Partnereinstieg.
  • Ein Businessplan ist kein Papier für die Schublade, sondern einer der wichtigsten Schritte vor dem Start. Er sollte Markt, Zielgruppe, Umsatz, Investitionen, Liquidität, Personal und Rentabilität abdecken.
  • Die Tätigkeit als Steuerberater ist grundsätzlich freiberuflich. Eine klassische Gewerbeanmeldung ist dafür in der Regel nicht erforderlich.
  • Gründungskosten lassen sich nicht pauschal festlegen. Einzelne Praxisquellen nennen für eine Neugründung Größenordnungen von etwa 15.000 bis 40.000 Euro – das sind aber nur Orientierungswerte, keine allgemeingültigen Standards.
  • Für die ersten Mandate sind meist Positionierung, Netzwerk, Empfehlungen, Website und lokale Sichtbarkeit wichtiger als unscharfe Werbung in alle Richtungen.
  • Die StBVV hilft Gründern vor allem dabei, Leistungen, Abrechnungslogik und Honorarrahmen besser einzuordnen. Sie ersetzt aber keine individuelle Honorarberatung.

Das Wichtigste zuerst: So wirst Du in Deutschland selbstständig als Steuerberater

  • Steuerberaterprüfung bestehen
  • Bestellung durch die zuständige Steuerberaterkammer abschließen
  • Passendes Gründungsmodell wählen
  • Praxisform und Kanzleistruktur festlegen
  • Businessplan und Finanzierung aufsetzen
  • Absicherung, insbesondere Berufshaftpflicht, klären
  • IT, Software und Prozesse einrichten
  • Positionierung und Mandantengewinnung starten

Genau diese Reihenfolge ist wichtig. Viele denken zuerst an Logo, Website oder Büroräume. Das ist verständlich, aber nicht der Kern. Der Kern ist: erst die berufsrechtliche Grundlage, dann das Geschäftsmodell, dann die operative Umsetzung. Stell Dir die Gründung wie ein Hausbau vor: Die Website ist die Fassade, aber ohne Fundament trägt sie nichts.

Die formale Grundlage für die selbstständige Berufsausübung ist die Bestellung zum Steuerberater durch die zuständige Steuerberaterkammer. Die bestandene Steuerberaterprüfung ist dafür die zwingende Voraussetzung, aber eben nicht der letzte Schritt.

Was bedeutet selbstständig als Steuerberater genau?

Selbstständig als Steuerberater zu sein bedeutet, dass Du Deine berufliche Tätigkeit in eigener Verantwortung ausübst. Das kann als Einzelpraxis, in einer Sozietät oder im Rahmen einer Steuerberatungsgesellschaft geschehen.

  • berufsrechtliche Grundlage
  • wirtschaftlich tragfähiges Modell
  • funktionierende Kanzleiorganisation
  • planvolle Mandantengewinnung

Genau hier liegt oft der Unterschied zwischen „ich darf es“ und „es trägt sich auch“. Fachlich stark zu sein ist wichtig. Unternehmerisch klar zu sein ist genauso wichtig.

Voraussetzungen: Was Du vor der Kanzleigründung erfüllen musst

Die zentrale Voraussetzung ist zweistufig: Zuerst brauchst Du die bestandene Steuerberaterprüfung. Danach folgt die Bestellung durch die zuständige Steuerberaterkammer. Erst auf dieser Grundlage wird aus der Qualifikation die echte Möglichkeit zur selbstständigen Berufsausübung.

Das klingt nach Formalität, ist aber entscheidend. Denn die Gründung einer Kanzlei beginnt nicht mit Möbeln, Software oder Marketing, sondern mit der sauberen berufsrechtlichen Basis. Danach kommen die unternehmerischen Entscheidungen, die Deinen Start stabil oder wackelig machen.

Steuerberaterprüfung und Bestellung durch die Steuerberaterkammer

Mit bestandener Prüfung bist Du noch nicht automatisch startklar. Laut den Gründungshinweisen für Steuerberater folgt vor der Kanzleigründung das Bestellungsverfahren bei der zuständigen Steuerberaterkammer.

Warum dieser Schritt so wichtig ist

Die Bestellung ist der formale Übergang von der bestandenen Prüfung zur tatsächlichen Berufsausübung. Wenn Du also fragst: „Kann ich direkt nach der Prüfung meine Kanzlei eröffnen?“, lautet die praktische Antwort: nicht allein auf Basis der Prüfung. Vorher muss die Bestellung stehen.

Freiberuflich statt gewerblich: Was das für die Gründung bedeutet

Die Tätigkeit des Steuerberaters wird grundsätzlich freiberuflich eingeordnet. Eine Gewerbeanmeldung ist dafür nicht erforderlich.

Das hilft bei der Einordnung, sollte aber nicht missverstanden werden. Freiberuflich heißt nicht formlos. Auch ohne Gewerbeanmeldung bleiben Bestellung, Kammerbezug, Organisation, wirtschaftliche Planung und Absicherung zentrale Themen.

Drei Wege in die Selbstständigkeit: Neugründung, Übernahme oder Partnereinstieg

  • Neugründung
  • Kanzleiübernahme
  • Einstieg als Partner

Welcher Weg zu Dir passt, hängt vor allem von Deinem Kapital, Deiner Risikobereitschaft, Deinem Wunsch nach Freiheit und Deinem Tempo ab. Es gibt hier kein allgemeingültiges „richtig“. Es gibt nur das Modell, das zu Deiner Lebenssituation und Deinen Zielen passt.

Vergleich der drei Modelle

ModellVorteileRisikenKapitalbedarfZeit bis zum operativen StartAkquisebedarfKomplexität
Neugründungmaximale Freiheit, eigene Positionierung, eigene Prozessekein Mandantenbestand, Anlaufphase, höherer Aufbauaufwandoft moderat bis planbarabhängig von Vorbereitung, meist nicht soforthochmittel
Kanzleiübernahmebestehende Mandanten, Umsatzbasis, eingespielte Abläufehöherer Prüfungs- und Integrationsaufwand, oft höheres finanzielles Risikohäufig höherpotenziell schneller mit Bestandniedriger als bei Neugründung, aber nicht nullhoch
Partnereinstiegvorhandene Marke, geteiltes Risiko, bestehende Strukturenweniger Freiheit, Abstimmungsbedarf, Vertrags- und Rollenfragensehr unterschiedlichoft schneller als Neugründungmittelmittel bis hoch

Die Angaben in der Tabelle sind bewusst als Orientierung formuliert. Sie hängen im echten Leben stark vom Einzelfall ab.

Wann sich eine Neugründung anbietet

Eine Neugründung passt oft dann, wenn Du Deine Kanzlei von Anfang an selbst formen willst. Du entscheidest über Positionierung, Mandantenstruktur, Prozesse und Auftritt. Das ist unternehmerisch reizvoll, aber auch anspruchsvoll.

Gerade am Anfang brauchst Du dafür einen kühlen Kopf und einen warmen Motor: klare Zahlen und echten Antrieb. Denn ohne übernommenen Bestand hängt vieles an sauberer Liquiditätsplanung und aktiver Mandantengewinnung.

Wann eine Kanzleiübernahme sinnvoll sein kann

Eine Übernahme kann attraktiv sein, wenn Du nicht bei null starten willst. Ein vorhandener Mandantenstamm, bestehende Abläufe und erste Umsätze können den Start spürbar beschleunigen.

Aber: Eine Übernahme spart nicht automatisch Arbeit. Sie verschiebt die Arbeit. Statt vor allem Akquise aufzubauen, musst Du stärker prüfen, übergeben, integrieren und möglicherweise modernisieren. Besonders bei Bestandskanzleien lohnt sich ein nüchterner Blick auf Mandantenqualität, Prozesse, Personal, Softwarelandschaft und Zukunftsfähigkeit.

Wann der Einstieg als Partner passt

Der Einstieg als Partner ist für viele ein kluger Mittelweg. Du profitierst von bestehenden Strukturen und bringst gleichzeitig Deinen eigenen unternehmerischen Impuls ein.

Worauf Du hier besonders achten solltest

Neben den fachlichen Fragen sind hier die menschlichen Fragen oft die entscheidenden. Wer entscheidet was? Wie wird Verantwortung verteilt? Wie sehen Gewinnverteilung, Wachstum und Nachfolge aus? Gerade weil eine Partnerschaft nach außen stabil wirken kann, sollten die internen Regeln besonders klar sein.

Praxisform und Kanzleistruktur wählen

Bevor Du operativ loslegst, musst Du entscheiden, in welcher Praxisform Du arbeiten willst. Berufsständische Hinweise nennen hier unter anderem Einzelpraxis, Sozietät und Steuerberatungsgesellschaft als typische Optionen.

  • Verantwortung und Entscheidungsfreiheit
  • Zusammenarbeit mit anderen Berufsträgern
  • Außenauftritt und Marke
  • organisatorische Komplexität
  • interne Abläufe

Welche Praxisform ist die beste?

Die ehrliche Antwort lautet: Es kommt auf Deinen Fall an. Eine pauschale Empfehlung wäre unseriös. Berufsrechtliche Zulässigkeit, Haftungsfragen, steuerliche Folgen und praktische Anforderungen unterscheiden sich je nach Konstellation. Darum solltest Du Optionen vergleichen, statt vorschnell eine Form zur besten Lösung zu erklären.

Businessplan: Der wichtigste wirtschaftliche Schritt vor dem Start

Ein guter Businessplan ist für eine Steuerkanzlei kein nettes Extra, sondern ein zentraler Vorbereitungsschritt. Die Bundessteuerberaterkammer betont, dass ein detaillierter Businessplan über mehrere Jahre ein wesentlicher Bestandteil der Gründung ist.

Warum ist das so wichtig? Weil Selbstständigkeit nicht daran scheitert, dass jemand fachlich zu wenig kann. Sie scheitert oft daran, dass Umsätze zu optimistisch, Kosten zu knapp und Prozesse zu spät gedacht wurden.

Ein Businessplan zwingt Dich, Deine Idee unter Realitätslicht zu betrachten. Nicht nur: „Was will ich anbieten?“ Sondern auch: „Wer soll das kaufen?“, „Wie lange reicht meine Liquidität?“ und „Wann wird aus guter Arbeit ein gesundes Geschäft?“

Diese Bausteine sollte der Businessplan enthalten

  • Marktanalyse
  • Zielgruppe
  • Positionierung
  • Leistungsportfolio
  • Umsatzplanung
  • Investitionsplanung
  • Liquiditätsplanung
  • Personalplanung
  • Rentabilitätsvorschau

Was in der Startphase oft unterschätzt wird

Viele Gründer planen den Umsatz, aber nicht die Verzögerung. Honorare fließen selten exakt dann, wenn Kosten entstehen. Deshalb ist die Liquiditätsplanung kein Nebenpunkt, sondern Deine Stoßdämpfer-Zone. Sie federt ab, was in den ersten Monaten holprig läuft.

Ein einfacher Denkrahmen

  • Ist das notwendig?
  • Ist das jetzt notwendig?
  • Ist das in dieser Größe notwendig?

Dieser kleine Filter spart am Anfang oft mehr Geld als jede spätere Optimierung.

Positionierung und Zielgruppe früh festlegen

Gerade junge Kanzleien profitieren meist stärker von einer klaren Positionierung als von einem Bauchladen. Wenn Du genau weißt, für wen Du da bist, kannst Du Leistungen, Kommunikation und Prozesse viel schärfer aufbauen.

Das bedeutet nicht, dass Du Dich künstlich einschränken musst. Es bedeutet nur: Klarheit schlägt Beliebigkeit. Wer alle ansprechen will, bleibt oft austauschbar. Wer ein klares Profil zeigt, bleibt eher im Kopf.

Kosten der Kanzleigründung realistisch planen

Eine der häufigsten Fragen ist: Was kostet die Gründung einer Steuerkanzlei? Die ehrliche Antwort: Das hängt stark vom Einzelfall ab. Modell, Standort, Personalkonzept, Digitalisierungsgrad und die Frage, ob Du neu gründest oder übernimmst, machen einen großen Unterschied. Einzelne Praxisquellen nennen für die Neugründung eine Größenordnung von etwa 15.000 bis 40.000 Euro. Diese Werte solltest Du aber nur als Orientierungsrahmen lesen, nicht als Branchendurchschnitt oder feste Erwartung.

Einmalige Gründungskosten und laufende Kostenblöcke

  • Einmalige Kosten: Einrichtung und Ausstattung
  • Einmalige Kosten: Hardware
  • Einmalige Kosten: Softwareeinrichtung
  • Einmalige Kosten: Website und Branding
  • Einmalige Kosten: Beratungs- und Formalienkosten
  • Einmalige Kosten: gegebenenfalls Umzug oder Übernahmekosten
  • Laufende Kosten: Fachsoftware und digitale Infrastruktur
  • Laufende Kosten: Büro und Nebenkosten
  • Laufende Kosten: Personal
  • Laufende Kosten: Versicherungen
  • Laufende Kosten: Kammerbezug und laufende Verwaltungsaufwände
  • Laufende Kosten: Marketing und Sichtbarkeit
  • Laufende Kosten: allgemeine Organisation

Diese Logik ist wichtiger als jede pauschale Zahl. Denn selbst wenn zwei Kanzleien am selben Ort starten, können ihre Kostenprofile völlig unterschiedlich aussehen.

Startkapital, Liquiditätspuffer und Finanzierung

Einzelne Praxisquellen nennen auch ein Startkapital von etwa 20.000 Euro als Erfahrungswert. Das ist aber kein offizieller Mindestbetrag und keine allgemeingültige Vorgabe.

Wichtiger als ein pauschaler Betrag ist die Frage: Wie lange kannst Du Anlaufzeit finanziell tragen? Viele Gründungen geraten nicht wegen zu hoher Gesamtkosten unter Druck, sondern wegen zu knapp kalkulierter Liquidität in den ersten Monaten.

  • Investitionen zum Start
  • laufende Fixkosten
  • Puffer bis stabile Honorareingänge entstehen

Berufshaftpflicht und weitere sinnvolle Absicherungen

Im Gründungskontext ist die Berufshaftpflicht ein zentrales Thema und sollte vor dem operativen Start geklärt werden. Mit den vorliegenden Quellen lässt sich sicher sagen: Sie gehört praktisch zu den Pflichtpunkten der Kanzleigründung.

Wichtig ist nur die sprachliche Sauberkeit: Ohne direkte Rechtsquelle solltest Du daraus keine überzogene Detailaussage ableiten. Für Deine Praxis heißt das vor allem: Dieses Thema gehört nicht ans Ende, sondern früh auf die Liste.

Welche weiteren Absicherungen sinnvoll sein können

  • Betriebsausfall
  • Cyberrisiken
  • Sachschäden

Hier geht es nicht um Angst, sondern um Stabilität. Wer unternehmerisch denkt, plant nicht nur den Idealfall, sondern auch den Störfall.

Digitale Kanzlei: IT, Software und Prozesse von Anfang an sauber aufsetzen

Eine junge Kanzlei sollte ihre digitale Infrastruktur nicht erst dann sortieren, wenn die ersten Mandate schon hektisch auflaufen. Laut Praxisquellen sind digitale Infrastruktur, Steuer- und Buchhaltungssoftware sowie Prozessorganisation von Beginn an wesentlich.

Das ist mehr als Technik. Es ist Dein Betriebssystem. Wenn hier von Anfang an Klarheit herrscht, sparst Du später Zeit, Fehler und Nerven.

Welche Grundausstattung zum Start sinnvoll ist

  • Fachsoftware
  • Dokumentenmanagement
  • sichere Kommunikationswege
  • Aufgaben- und Fristensteuerung
  • klaren Onboarding-Prozess für neue Mandanten
  • standardisierte Abläufe für wiederkehrende Tätigkeiten

Warum Prozesse für kleine Teams besonders wichtig sind

Gerade wenn Du klein startest, ist Struktur Dein Verstärker. Ein sauberer Prozess ersetzt nicht Menschen, aber er entlastet sie. Gute Prozesse machen aus Einzelaufwand wiederholbare Qualität.

Mandanten gewinnen: So kommen neue Steuerkanzleien zu den ersten Aufträgen

Die ersten Mandate kommen bei neuen Kanzleien oft nicht aus einem einzigen großen Marketing-Coup. Meist entstehen sie aus einem Zusammenspiel von Netzwerk, Empfehlungen, klarer Positionierung und professioneller Online-Präsenz.

Das ist die gute Nachricht: Du musst nicht überall laut sein. Du musst an den richtigen Stellen klar sein.

Netzwerk, Empfehlungen und bestehende Kontakte nutzen

Für viele Gründer sind bestehende Kontakte der schnellste Weg zu ersten Anfragen. Gerade bei einer Vertrauensdienstleistung wie Steuerberatung zählt persönliche Glaubwürdigkeit oft stärker als große Reichweite.

Akquise beginnt deshalb nicht erst nach dem Kanzleistart. Sie beginnt schon in der Vorbereitungsphase. Sprich mit Deinem Netzwerk, schärfe Dein Profil, mach sichtbar, womit Du Dich positionierst.

Website, lokales SEO und klarer Leistungsauftritt

  • für wen Deine Kanzlei da ist
  • welche Leistungen Du anbietest
  • wie eine Kontaktaufnahme abläuft

Ergänzt um lokale Sichtbarkeit und konsistente Basisinformationen wird daraus oft ein solider digitaler Einstiegskanal.

Weniger Werbedruck, mehr Verständlichkeit

Viele junge Kanzleien machen den Fehler, zu allgemein zu kommunizieren. Besser ist ein einfacher, verständlicher Auftritt. Nicht breiter. Besser klarer. Nicht mehr Lärm. Mehr Linie.

StBVV: Warum sie für Gründer praktisch relevant ist

Die StBVV ist für Kanzleigründer vor allem deshalb wichtig, weil sie dabei hilft, Leistungen, Abrechnungslogik und Honorarrahmen besser einzuordnen.

Das ist gerade in der Startphase relevant, weil Deine Preisstruktur nicht losgelöst von Deinem Leistungsangebot gedacht werden sollte. Wenn Du sauber definierst, was Du anbietest, für wen Du arbeitest und wie Mandate aufgebaut sind, wird auch die Honorarsystematik klarer.

Wichtig: Dieser Punkt ist eine praktische Einordnung, keine Honorarberatung. Aus den vorliegenden Quellen lässt sich keine pauschale Preisempfehlung für die Kanzleigründung ableiten.

90-Tage-Plan: Die wichtigsten Schritte nach der Entscheidung zur Gründung

  • Wochen 1 bis 4: Bestellung und berufsrechtliche Ausgangslage klären
  • Wochen 1 bis 4: Gründungsmodell wählen: Neugründung, Übernahme oder Partnereinstieg
  • Wochen 1 bis 4: Praxisform und Grundstruktur festlegen
  • Wochen 1 bis 4: Businessplan starten
  • Wochen 1 bis 4: Zielgruppe und Positionierung grob schärfen
  • Wochen 5 bis 8: Umsatz-, Investitions- und Liquiditätsplanung konkretisieren
  • Wochen 5 bis 8: Finanzierung und Puffer sauber durchrechnen
  • Wochen 5 bis 8: Berufshaftpflicht und weitere sinnvolle Absicherungen prüfen
  • Wochen 5 bis 8: Software, Dokumentenstruktur und Fristenlogik auswählen
  • Wochen 5 bis 8: Prozesse für Onboarding und laufende Betreuung skizzieren
  • Wochen 9 bis 12: Website und Basisauftritt erstellen
  • Wochen 9 bis 12: lokale Sichtbarkeit aufbauen
  • Wochen 9 bis 12: Netzwerk aktiv ansprechen
  • Wochen 9 bis 12: Empfehlungsquellen systematisch nutzen
  • Wochen 9 bis 12: internen Testlauf für Prozesse und Mandatsannahme machen

Dieser Plan ist kein starres Gesetz. Aber er hilft Dir, nicht alles gleichzeitig und dadurch nichts richtig anzugehen.

Typische Fehler bei der Gründung einer Steuerkanzlei

  • Gründung ohne belastbaren Businessplan
  • zu optimistische Umsatzannahmen
  • zu knapp kalkulierte Liquidität
  • unklare Positionierung
  • IT und Prozesse erst nach dem Start improvisieren
  • Pflichtschritte und Best Practices durcheinanderbringen
  • Kosten- und Zeitwerte aus Einzelfällen als allgemeingültig übernehmen

Der rote Faden ist fast immer derselbe: zu schnell, zu vage, zu wenig Puffer. Besser ist das Gegenteil: klar, konservativ, konsequent.

Begriffe einfach erklärt

Bestellung zum Steuerberater: Der formale berufsrechtliche Schritt nach bestandener Steuerberaterprüfung. Erst damit wird die selbstständige Berufsausübung als Steuerberater praktisch möglich. Steuerberaterkammer: Die zuständige berufsständische Stelle, die für die Bestellung eine zentrale Rolle spielt und für Gründer ein wichtiger Bezugspunkt ist. Neugründung: Der Aufbau einer eigenen Kanzlei ohne übernommenen Mandantenbestand. Kanzleiübernahme: Der Einstieg über die Übernahme einer bestehenden Praxis mit Mandanten, Prozessen und Übergaberisiken. Partnereinstieg: Die Beteiligung an einer bestehenden Kanzlei als Mittelweg zwischen kompletter Neugründung und voller Übernahme. Businessplan: Die strukturierte Planung von Markt, Zielgruppe, Leistungen, Umsatz, Investitionen, Liquidität, Personal und Rentabilität. Berufshaftpflicht: Ein zentrales Absicherungsthema im Gründungskontext, das vor dem Kanzleistart geklärt werden sollte. StBVV: Ein wichtiger Orientierungsrahmen für Leistungsumfang, Abrechnungslogik und Honorarstruktur, ohne dass sich daraus pauschale Preisempfehlungen ableiten lassen. Digitale Kanzlei: Das Zusammenspiel aus Software, Dokumentenmanagement, Kommunikationswegen und standardisierten Prozessen für den laufenden Betrieb.

Nächster sinnvoller Schritt

Wenn Du gerade an Deiner eigenen Kanzlei planst, fang nicht mit zehn Baustellen gleichzeitig an. Starte mit der Reihenfolge, die trägt: Bestellung, Modell, Businessplan, Absicherung, Systeme, Sichtbarkeit.

Wenn Du Unterstützung suchst, kann es sinnvoll sein, Deine Planung einmal strukturiert durchzugehen – besonders bei Liquidität, Absicherung und der Frage, wie Du aus einer fachlich starken Idee ein wirtschaftlich stabiles Kanzleimodell machst.

Deine Meinung

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