Selbstständiger Ingenieur im organisierten Büro mit technischen Plänen, Vertragsunterlagen und Kundengespräch

Selbstständig als Ingenieur: Freiberufler-Status, Ingenieurbüro gründen, Haftung und Honorar in Deutschland

Zusammenfassung

Du kannst Dich als Ingenieur in Deutschland unter bestimmten Voraussetzungen freiberuflich selbstständig machen, wenn Deine konkrete Tätigkeit fachlich zu den Kernbereichen des Ingenieurwesens gehört. Entscheidend ist nicht nur Dein Abschluss, sondern vor allem was Du tatsächlich leistest. Die steuerliche Einordnung hängt vom Inhalt der Tätigkeit ab und wird im Einzelfall geprüft.

  • Du kannst Dich als Ingenieur in Deutschland unter bestimmten Voraussetzungen freiberuflich selbstständig machen, wenn Deine konkrete Tätigkeit fachlich zu den Kernbereichen des Ingenieurwesens gehört.
  • Entscheidend ist nicht nur Dein Abschluss, sondern vor allem was Du tatsächlich leistest. Die steuerliche Einordnung hängt vom Inhalt der Tätigkeit ab und wird im Einzelfall geprüft.
  • Freiberufliche Ingenieure melden sich in der Regel beim Finanzamt an, nicht beim Gewerbeamt.
  • Der Fragebogen zur steuerlichen Erfassung ist der zentrale erste Schritt für die steuerliche Anmeldung.
  • Ein Ingenieurbüro braucht neben Fachwissen auch klare Entscheidungen zu Rechtsform, Verträgen, Dokumentation und Organisation.
  • Eine Berufshaftpflichtversicherung ist für viele selbstständige Ingenieure ein wichtiger Absicherungsbaustein, vor allem bei Planungs- und Beratungsrisiken. Ob sie im Einzelfall vorgeschrieben ist, hängt jedoch vom Tätigkeitsbild und möglichen berufsrechtlichen Vorgaben ab.
  • Ein tragfähiger Stundensatz entsteht aus Zielgehalt, Kosten, Rücklagen, Auslastung und realistisch verrechenbaren Stunden, nicht aus Marktgerüchten.
  • Fragen zu Kammer, Eintragung und Berufsrecht solltest Du immer konkret für Dein Bundesland und Deine Tätigkeit prüfen.

Das Wichtigste zuerst: So startest Du selbstständig als Ingenieur in Deutschland

Wenn Du sauber starten willst, geh in dieser Reihenfolge vor. Das klingt nüchtern, spart aber später Nerven, Geld und Rückfragen. Viele starten mit Website, Visitenkarte und Profiltext. Klüger ist die umgekehrte Richtung: erst Substanz, dann Sichtbarkeit. Bei der Selbstständigkeit als Ingenieur ist nicht der Titel allein entscheidend, sondern das Zusammenspiel aus Tätigkeit, Steuerlogik, Risiko und Wirtschaftlichkeit.

  • Tätigkeit fachlich eingrenzen
  • Freiberufler- oder Gewerbeeinordnung prüfen
  • Steuerliche Anmeldung vorbereiten
  • Rechtsform, Verträge und Organisation festlegen
  • Haftung und Versicherung absichern
  • Honorar- und Angebotslogik definieren

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Was bedeutet selbstständig als Ingenieur genau?

Selbstständig als Ingenieur zu arbeiten heißt, dass Du technische Leistungen eigenverantwortlich am Markt anbietest. Das kann zum Beispiel Planung, Entwicklung, Konstruktion, Berechnung, technische Beratung oder projektbezogene Spezialarbeit sein.

  • fachliche Ingenieurtätigkeit
  • steuerliche Einordnung als Freiberufler oder Gewerbe
  • organisatorischer Aufbau Deines Ingenieurbüros

Genau an dieser Stelle entstehen viele Missverständnisse. Du kannst fachlich sehr klar als Ingenieur arbeiten und trotzdem bei der steuerlichen Einordnung genauer hinschauen müssen. Oder Du hast ein starkes Leistungsprofil, aber organisatorisch noch Lücken bei Verträgen, Dokumentation und Absicherung. Selbstständigkeit ist deshalb nicht nur Technik, sondern auch Struktur.

Freiberufler oder Gewerbe: Wie Ingenieure richtig eingeordnet werden

Für Ingenieure ist eine freiberufliche Tätigkeit grundsätzlich oft möglich, weil der Ingenieurberuf steuerlich zu den Katalogberufen zählen kann. Aber das ist nicht automatisch so. Maßgeblich ist, ob Deine konkrete Leistung fachlich zu den Kernbereichen des Ingenieurwesens gehört. Außerdem zählt, wie Deine Tätigkeit tatsächlich ausgestaltet ist. Das Finanzamt schaut im Zweifel auf das Gesamtbild, nicht nur auf Deine Selbstbeschreibung.

Welche Tätigkeiten typischerweise freiberuflich wirken

Typisch freiberuflich wirken Ingenieurleistungen dann, wenn sie direkt an die eigentliche Facharbeit anschließen.

  • technische Planung
  • Berechnung
  • Konstruktion
  • Entwicklung
  • qualifizierte Fachberatung

Woran Du im Alltag erkennst, dass Deine Tätigkeit ingenieurnah ist

Ein guter Praxistest ist die Frage: Kauft Dein Kunde vor allem Dein technisches Urteil, Deine Berechnung oder Deine planerische Leistung? Wenn ja, spricht das eher für eine freiberufliche Prägung. Kauft er dagegen primär ein Produkt, eine Ausführung, einen Handelsposten oder eine operative Umsetzung mit gewerblichem Schwerpunkt, wird die Einordnung deutlich anspruchsvoller.

Typische Grenzfälle zwischen Ingenieurleistung und Gewerbe

Grenzfälle entstehen oft, wenn zusätzlich zur Ingenieurleistung andere Elemente prägend werden.

  • Handel
  • Produktion
  • Montage
  • operative Ausführung
  • gemischte Geschäftsmodelle mit technischen und gewerblichen Bausteinen

Hier gilt: Nicht jeder technische Bezug ist automatisch freiberuflich. Es zählt der tatsächliche Inhalt Deiner Leistungen, nicht nur die Berufsbezeichnung auf Deiner Website.

Freiberufler oder Gewerbe als Ingenieur? Entscheidungstabelle

Tätigkeit / SchwerpunktTypische EinordnungWarum relevantWas Du prüfen solltest
Technische Planung, Berechnung, Entwicklung, Konstruktioneher freiberuflichNähe zur Kern-IngenieurleistungLeistungsbeschreibung, Qualifikation, tatsächlicher Projektinhalt
Fachberatung mit klarem technischem Schwerpunkteher freiberuflichTechnische Expertise steht im VordergrundDokumentation der Beratungsleistung
Mischmodell aus Planung und Ausführungoffen / Einzelfallgewerbliche Elemente können prägenAufteilung der Leistungen, Vertragsstruktur, steuerliche Prüfung
Handel, Produktion oder Montage mit technischem Bezugeher prüfbedürftigTechnik allein macht noch keine Freiberuflichkeittatsächlicher Umsatzschwerpunkt, Betriebsmodell
Ingenieurleistung unter breiter Agentur- oder Generaldienstleister-Logikoffen / EinzelfallAußenbild und Leistungsmix können die Einordnung beeinflussenklare Abgrenzung der Ingenieurleistung

Voraussetzungen für ein Ingenieurbüro

Wenn Du ein Ingenieurbüro gründen willst, brauchst Du mehr als Motivation und Marktgefühl. In der Praxis ist regelmäßig relevant, dass Du fachlich so qualifiziert bist, dass Du die Berufsbezeichnung Ingenieur führen darfst.

Gleichzeitig solltest Du wissen: Ein Ingenieurbüro ist kein bloßes Etikett. Es ist ein Versprechen an den Markt. Kunden kaufen nicht nur Deine Arbeitszeit, sondern Vertrauen in Deine Kompetenz, Deine Struktur und Deine Verlässlichkeit.

Rechtsform, Name und organisatorischer Aufbau

Viele starten als Einzelperson. Das ist oft sinnvoll, weil es schlank, schnell und überschaubar ist. Trotzdem solltest Du früh entscheiden:

  • wie Du nach außen auftrittst
  • wer wofür verantwortlich ist
  • wie Du Angebote, Freigaben und Änderungen dokumentierst
  • wie Du Verträge und Projektdaten organisierst

Kleine Struktur, große Wirkung

Gerade Solo-Selbstständige unterschätzen oft, wie viel Sicherheit eine klare Struktur schafft. Ein ordentliches Ablagesystem, eindeutige Angebotsvorlagen und sauber definierte Leistungen wirken unspektakulär, aber sie sind wie das Fundament unter einem Gebäude: selten sichtbar, immer entscheidend.

Kammer, Eintragung und Berufsrecht vorsichtig einordnen

Ob für Dich eine Kammermitgliedschaft, Eintragung oder andere berufsrechtliche Pflicht relevant ist, lässt sich nicht bundesweit pauschal beantworten. Das hängt von Deiner Tätigkeit und vom Bundesland ab. Das ist wichtig, gerade wenn Du in planungsnahen, bauvorlagebezogenen oder sonst besonders geregelten Bereichen unterwegs bist. Dann solltest Du die Anforderungen Deiner zuständigen Ingenieurkammer oder Behörde gezielt prüfen. Ein ehrlicher Rat ist hier besser als eine bequeme Pauschale.

Anmeldung und Steuern: Welche Schritte zuerst kommen

Nach der fachlichen Einordnung folgt die Anmeldung. Für freiberufliche Ingenieure läuft sie in der Regel über das Finanzamt, nicht über das Gewerbeamt. Das klingt erstmal klein, ist aber groß. Denn an dieser Weiche hängen Verwaltung, Steuerlogik und auch die Frage, wie Du Dich nach außen sauber aufstellst.

Der Fragebogen zur steuerlichen Erfassung

Der Fragebogen zur steuerlichen Erfassung ist für viele selbstständige Ingenieure der praktische Startpunkt. Dort machst Du unter anderem Angaben zu:

  • Art Deiner Tätigkeit
  • erwarteten Umsätzen
  • organisatorischen Eckdaten

Behandle diesen Schritt nicht wie eine lästige Formalität. Er ist eher das Steuerpult als der Papierstapel. Hier legst Du die Grundlage dafür, dass Deine Selbstständigkeit steuerlich sauber startet.

Warum die Tätigkeitsbeschreibung so wichtig ist

Wie Du Deine Tätigkeit beschreibst, kann für die spätere Einordnung relevant sein. Deshalb lohnt es sich, präzise und fachlich nachvollziehbar zu formulieren, was Du konkret anbietest. Nicht wolkig, nicht werblich, sondern klar.

Einkommensteuer, Umsatzsteuer und mögliche Gewerbesteuer

Für selbstständige Ingenieure sind auf Einsteigerniveau vor allem Einkommensteuer und Umsatzsteuer wichtige Themen. Gewerbesteuer wird besonders dann relevant, wenn Deine Tätigkeit nicht freiberuflich eingeordnet wird oder gewerbliche Elemente überwiegen. Mehr solltest Du an dieser Stelle nicht verallgemeinern. Denn die konkrete steuerliche Behandlung hängt vom Einzelfall ab. Gerade bei Mischmodellen oder Grenzfällen ist der Steuerberater kein Luxus, sondern eine Abkürzung.

Nicht alles selbst googeln

Ja, Du kannst Dir vieles anlesen. Aber Steuern sind kein Bereich für heldenhafte Halbwissen-Experimente. Wer hier zu spät sauber aufsetzt, zahlt später oft doppelt: finanziell und mental.

Gründungs-Roadmap: In 6 Schritten zum eigenen Ingenieurbüro

Wenn Du gerade zwischen Idee und Umsetzung stehst, hilft Dir diese Reihenfolge:

1. Leistungsangebot abgrenzen

Definiere zuerst, was Du konkret anbietest. Nicht alles mit Technik, sondern klar umrissene Leistungen. Scharf schlägt schwammig.

2. Freiberufler- oder Gewerbeeinordnung prüfen

Prüfe, ob Deine Tätigkeit fachlich zu den Kernbereichen des Ingenieurwesens gehört und wie sie insgesamt wirkt. Im Zweifel lohnt sich eine frühe steuerliche Einordnung.

3. Steuerliche Anmeldung vorbereiten

Bereite den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung vor und beschreibe Deine Tätigkeit sauber und nachvollziehbar.

4. Rechtsform, Verträge und Organisation festlegen

Lege fest, wie Du auftrittst, abrechnest, dokumentierst und Leistungen abgrenzt. Hier beginnt Professionalität.

5. Haftung und Versicherung absichern

Prüfe Risiken, Verträge und geeigneten Versicherungsschutz. Nicht aus Angst, sondern aus Weitsicht.

6. Honorar- und Angebotslogik definieren

Kalkuliere Deinen Stundensatz oder Dein Projekthonorar belastbar. Denn ein voller Kalender mit falschen Preisen ist kein Erfolg, sondern ein teurer Irrtum.

Haftung: Welche Risiken selbstständige Ingenieure kennen sollten

Selbstständigkeit bedeutet Freiheit und Verantwortung. Gerade bei Ingenieuren entstehen Haftungsrisiken oft dort, wo Planung, Beratung, Berechnung, Koordination oder Dokumentation Fehler enthalten oder missverständlich sind. Das heißt nicht, dass Du permanent im Risiko lebst. Es heißt nur: Du solltest Haftung nicht erst dann ernst nehmen, wenn ein Problem auftaucht. Gute Risikosteuerung beginnt vor dem ersten Angebot.

Warum Verträge und Dokumentation so wichtig sind

Viele Konflikte entstehen nicht nur durch technische Fehler, sondern durch unklare Grenzen. Was genau war geschuldet? Welche Annahmen galten? Wer hat was freigegeben? Welche Änderungen kamen später dazu? Wenn Du diese Punkte sauber dokumentierst, reduzierst Du Streitpotenzial massiv. Für Solo-Selbstständige ist das oft die wirksamste Form der Vorsorge: günstig, praktisch und sofort umsetzbar.

Haftungs-Checkliste für den Projektalltag

Prüfe im Projektalltag systematisch, ob Leistung, Annahmen, Schnittstellen, Mitwirkungspflichten, Änderungen, Freigaben und Projektablage sauber dokumentiert und abgegrenzt sind.

  • Ist die Leistung im Angebot klar abgegrenzt?
  • Sind Annahmen, Schnittstellen und Mitwirkungspflichten dokumentiert?
  • Werden Änderungen schriftlich festgehalten?
  • Sind Freigaben nachvollziehbar dokumentiert?
  • Gibt es eine saubere Projektablage?
  • Ist klar, welche Leistungen Beratung, Planung oder reine Unterstützung sind?

Was oft unterschätzt wird

Nicht der große Fehler ist immer das Problem, sondern die kleine Unklarheit. Ein missverständlicher Satz im Angebot kann später mehr Ärger machen als eine komplexe technische Rechnung.

Berufshaftpflicht für Ingenieure: Wann sie besonders wichtig ist

Für viele selbstständige Ingenieure ist die Berufshaftpflicht ein zentraler Absicherungsbaustein, vor allem bei Planungs- und Beratungsrisiken. Denn ein einzelner Fehler kann Folgeschäden auslösen, die deutlich größer sind als das Honorar des Projekts. Wichtig ist aber die saubere Formulierung: Daraus folgt nicht automatisch, dass für jeden selbstständigen Ingenieur in jedem Fall eine pauschale gesetzliche Pflicht besteht. Ob eine Versicherung vorgeschrieben ist, hängt vom konkreten Tätigkeitsbild und möglichen berufsrechtlichen Vorgaben ab.

Worauf Du beim Versicherungsvergleich achten solltest

Schau nicht nur auf den Beitrag. Schau auf das, was im Schadenfall wirklich zählt:

  • Sind Deine konkreten Tätigkeiten mitversichert?
  • Welche Ausschlüsse gibt es?
  • Passen die Deckungssummen zu Deinem Projektrisiko?
  • Wie sind Vermögensschäden geregelt?
  • Gibt es Regelungen zur Nachhaftung?
  • Welche Meldepflichten gelten?

Preis ist nicht gleich Passung

Eine günstige Police ist stark, wenn sie passt. Eine billige Police ist schwach, wenn sie Lücken hat. Diese Antithese klingt simpel, entscheidet aber im Ernstfall.

Honorar berechnen: So entsteht ein realistischer Ingenieur-Stundensatz

Die Frage nach dem richtigen Stundensatz ist für viele der emotionale Kern der Gründung. Zu hoch und Du fürchtest, Aufträge zu verlieren. Zu niedrig und Du baust Dir ein Hamsterrad mit High-End-Fachwissen. Die ehrliche Antwort lautet: Es gibt keinen allgemein verbindlichen Standard-Stundensatz für Ingenieure. Eine belastbare Kalkulation basiert auf Zielgehalt, betrieblichen Kosten, Rücklagen, Versicherungen, Auslastung und realistisch verrechenbaren Stunden.

  • Zielgehalt
  • betriebliche Kosten
  • Rücklagen
  • Versicherungen
  • Auslastung
  • realistisch verrechenbare Stunden

Ein in der Praxis genutzter Ansatz kann vom früheren Angestelltenbrutto ausgehen und dieses für Selbstständigkeit und Verrechenbarkeit umrechnen. Das ist aber nur eine Orientierung, keine Marktregel.

Beispielrechnung: Vom Zielgehalt zum Stundensatz

Nehmen wir eine vereinfachte Modellrechnung. Keine Wahrheit für alle, sondern ein Denkgerüst.

Annahmen

Die Modellrechnung geht von einem gewünschten persönlichen Jahreseinkommen von 70.000 Euro, betrieblichen Fix- und Sachkosten von 18.000 Euro sowie weiteren 12.000 Euro für Versicherungen, Software, Weiterbildung und Rücklagen aus. Daraus ergibt sich eine gesamte erforderliche Jahresbasis von 100.000 Euro.

Rechenweg

Bei realistisch verrechenbaren 1.000 Stunden pro Jahr ergibt sich ein erforderlicher Stundensatz von 100 Euro. Wenn Du statt 1.000 nur 850 Stunden abrechnen kannst, steigt der notwendige Satz bereits deutlich. Genau deshalb kippt eine Kalkulation schnell, wenn Auslastung zu optimistisch oder Kosten zu weich gerechnet werden.

Stundensatz oder Projekthonorar?

Beides kann sinnvoll sein.

Stundensatz passt oft besser, wenn:

  • der Aufwand schwer planbar ist
  • Anforderungen offen sind
  • viele Rückkopplungen zu erwarten sind

Projekthonorar passt oft besser, wenn:

  • Leistungsumfang und Ergebnis klar definierbar sind
  • Schnittstellen sauber beschrieben sind
  • der Aufwand gut kalkulierbar ist

Am Ende schlägt nicht die Preisform, sondern die Präzision. Ohne klare Leistungsbeschreibung wird aus jedem Honorar schnell eine Verhandlungsbaustelle.

Typische Fehler bei der Selbstständigkeit als Ingenieur

Viele Startfehler sind vermeidbar. Die häufigsten sind:

Zu schnelle Freiberufler-Annahme

Nur weil Du Ingenieur bist, ist nicht automatisch jede selbstständige Tätigkeit freiberuflich. Die konkrete Leistung zählt.

Zu später Blick auf Haftung

Wer erst über Risiken nachdenkt, wenn der erste große Auftrag da ist, baut das Dach nach dem Regen.

Unklare Verträge und schlechte Dokumentation

Was nicht sauber beschrieben und dokumentiert ist, wird später schnell zum Streitpunkt.

Kammer- und Berufsrechtsfragen pauschal behandeln

Bundesland und Tätigkeit machen hier einen Unterschied. Vereinfachung ist verführerisch, aber manchmal gefährlich.

Zu niedriger Stundensatz

Viele kalkulieren aus Angst vor Ablehnung zu knapp. Doch niedrige Preise lösen selten schlechte Positionierung. Sie verschleiern sie nur.

Definitionen: Die wichtigsten Begriffe kurz erklärt

Die folgenden Begriffe helfen bei der Einordnung der Selbstständigkeit als Ingenieur.

Freiberuflicher Ingenieur

Ein selbstständiger Ingenieur, dessen Tätigkeit fachlich den Kernbereichen des Ingenieurwesens zuzuordnen ist und steuerlich als freier Beruf eingeordnet werden kann.

Gewerbliche Ingenieurtätigkeit

Eine selbstständige Tätigkeit mit geprägten gewerblichen Elementen oder außerhalb der typischen freiberuflichen Ingenieur-Kernleistung.

Ingenieurbüro

Der organisatorische Rahmen, in dem Du Ingenieurleistungen eigenständig anbietest und abwickelst.

Fragebogen zur steuerlichen Erfassung

Das zentrale Formular für den steuerlichen Start Deiner selbstständigen Tätigkeit beim Finanzamt.

Berufshaftpflichtversicherung

Eine Versicherung zur Absicherung beruflicher Haftungsrisiken, insbesondere bei Planungs-, Beratungs- oder Vermögensschäden.

Verrechenbare Stunden

Die Stunden, die Du realistisch Kunden in Rechnung stellen kannst und die deshalb Deine Kalkulation tragen müssen.

Kammer- oder Eintragungspflicht

Mögliche berufsrechtliche Anforderungen, die je nach Tätigkeit und Bundesland unterschiedlich ausfallen können.

Dein nächster Schritt

Wenn Du gerade dabei bist, Deine Selbstständigkeit als Ingenieur aufzubauen, lohnt sich ein kurzer Realitätscheck:

  • Ist Deine Tätigkeit klar beschrieben?
  • Ist die steuerliche Einordnung sauber geprüft?
  • Sind Verträge und Dokumentation belastbar?
  • Passt Dein Versicherungsschutz zu Deinem Risiko?
  • Ist Dein Stundensatz wirklich wirtschaftlich?

Wenn Du diese Fragen jetzt sauber beantwortest, gibst Du Deinem Business einen Start mit Substanz statt Stress.

Deine Meinung

Welche Frage beschäftigt Dich beim Start in die Selbstständigkeit als Ingenieur gerade am meisten: Freiberufler-Status, Haftung, Kammer, Anmeldung oder Honorar?

Fazit: Der pragmatische Weg in die Selbstständigkeit als Ingenieur

Der Weg in die Selbstständigkeit beginnt nicht mit dem perfekten Branding, sondern mit einer klaren Einordnung Deiner Tätigkeit. Wenn Du zuerst prüfst, was Du anbietest, dann wie Du steuerlich einzuordnen bist und danach wie Du Risiko, Organisation und Honorar aufsetzt, startest Du deutlich stabiler. Anders gesagt: nicht hektisch, sondern präzise; nicht nur technisch stark, sondern auch unternehmerisch sauber. Genau das macht aus einer guten Ingenieurin oder einem guten Ingenieur ein tragfähiges Business. Wenn Du tiefer einsteigen willst, dann nimm Dir besonders die Punkte Freiberufler-Status, Vertragslogik, Berufshaftpflicht und Kalkulation nochmal einzeln vor. Dort entscheiden sich oft die teuren Details.

Frequently Asked Questions

Ja, das ist grundsätzlich oft möglich, wenn Deine konkrete Tätigkeit fachlich zu den Kernbereichen des Ingenieurwesens gehört. Entscheidend ist nicht nur Dein Abschluss, sondern der tatsächliche Inhalt Deiner Leistung.
In der Regel nicht. Freiberufliche Ingenieure melden ihre Tätigkeit typischerweise beim Finanzamt an. Der zentrale Schritt ist dabei der Fragebogen zur steuerlichen Erfassung.
Das lässt sich nicht pauschal für ganz Deutschland beantworten. Es hängt von Deiner Tätigkeit und Deinem Bundesland ab. Wenn Du in planungsnahen oder besonders geregelten Bereichen arbeitest, solltest Du die zuständige Kammer oder Behörde konkret prüfen.
Für viele selbstständige Ingenieure ist sie ein sehr wichtiger Absicherungsbaustein, gerade bei Planungs- und Beratungsrisiken. Ob sie im konkreten Fall nur empfehlenswert oder tatsächlich erforderlich ist, hängt aber vom Tätigkeitsbild und möglichen Vorgaben ab.
Ein sinnvoller Stundensatz ergibt sich aus Zielgehalt, Kosten, Rücklagen, Versicherungen, Auslastung und verrechenbaren Stunden. Pauschale Marktwerte helfen nur begrenzt. Besser ist eine eigene Beispielrechnung mit realistischen Annahmen.

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